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Jung, gebildet, unglücklich - mit Mitte 20 in der Lebenskrise

Blog-Eintrag   •   Jun 27, 2018 12:39 CEST

Für dich gibt es gerade mehr Schatten als Licht? Vielleicht steckst du in der Quarterlife Crisis

Du bist xundzwanzig, hast einen soliden Freundeskreis, regelmäßigen Sex und dein Studium befindet sich in den letzten Zügen oder du hast es gerade erfolgreich abgeschlossen. Du stehst auf der Sonnenseite des Lebens und es gibt nichts, was der erfolgreichen Eroberung der (Arbeits-) Welt jetzt noch im Wege steht. Wenn, ja wenn da nicht dieses diffuse Gefühl der Unzufriedenheit wäre, begleitet von nagenden Selbstzweifeln und der Frage, ob dein Studium, dein bisheriger Karriereweg oder der Mensch neben dir im Bett wirklich die richtige Entscheidung war. Herzlich willkommen in der Quarterlife Crisis!

Du bist nicht allein
Umfragen haben ergeben, dass mehr als die Hälfte der jungen Arbeitnehmer in Deutschland noch vor der Vollendung ihres 30. Lebensjahres in eine Sinnkrise stürzen. Dieses Phänomen wird in der Populärpsychologie als Quarterlife Crisis bezeichnet, da die Gruppe der Betroffenen überwiegend aus jungen Akademikern im Alter von 20 bis 29 Jahren besteht. Meist tritt die Quarterlife Crisis kurz vor oder nach Beendigung des Studiums ein – quasi an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt. Sie ist gekennzeichnet von einer unbestimmten Unzufriedenheit, dem Gefühl, nicht gut genug auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorbereitet oder nicht ausreichend qualifiziert zu sein, Unsicherheit darüber, wo es beruflich und privat hingehen soll und einer allgemeinen Zukunftsangst. Fragen wie Habe ich das Richtige studiert? Möchte ich mein Leben mit meinem aktuellen Partner verbringen? Habe ich meine Jugend genug ausgekostet? Wo und wie möchte ich arbeiten? können zu einer Erschütterung des bisherigen Lebensplans führen und haben zur Folge, dass sich nochmal völlig neu mit den eigenen Wünschen und Zielen auseinander gesetzt werden muss. Das kann einen schon mal die Nerven kosten!

Die Gründe für das vermehrte Auftreten einer Lebenskrise bei jungen Menschen sind vielseitig. So wird der Druck, möglichst früh möglichst erfolgreich zu sein, der in unserer Leistungsgesellschaft auf jedem von uns lastet, als eine Ursache der Krise diagnostiziert. Auch die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und die daraus resultierenden beruflichen Unsicherheiten tragen ihren Teil bei: Fehlende berufliche Sicherheit und somit auch eine mangelnde finanzielle Absicherung kann schnell zu Zweifeln an der eigenen Kompetenz oder Durchsetzungskraft auf dem Arbeitsmarkt führen. Ein anderer Aspekt ist die Vielfalt der Möglichkeiten, die sich junge Menschen heutzutage zur privaten und beruflichen Selbstverwirklichung bietet. So paradox es zunächst klingen mag: die Tatsache, dass alles möglich ist, führt oft zu Handlungslähmung und Überforderung. Denn wie entscheidet man, welchen Weg man gehen möchte? Und bedeutet, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden, nicht automatisch, eine andere zu verpassen?

So lähmend diese Orientierungslosigkeit, Identitäts- und Sinnkrise sein kann: Es gibt Wege und Möglichkeiten, sie zu überwinden und konstruktiv zu nutzen.

Krise erkennen, akzeptieren und positiv nutzen.
Du findest dich in den oben beschriebenen Gefühlen wieder und fühlst dich im Gedanken an deine Zukunft orientierungslos und überfordert? Das ist okay! Nur wenn du erkennst und akzeptierst, dass du gerade eine mittelschwere Lebenskrise durchläufst, kannst du dich aus diesem Tief befreien und etwas Positives daraus mitnehmen. Denn auch wenn die Fragen nach deiner weiteren Lebensplanung dich überhaupt erst in diese Situation gebracht haben – wenn du sie ehrlich beantwortest, können sie dich auf deinem Weg zu einem erfüllten Leben ein ganzes Stück weiter bringen!

Werde dir deiner Stärken bewusst.
Auch wenn in deinem Kopf gerade die Selbstzweifel die Oberhand haben – mach dir bewusst, was du bisher schon alles erreicht hast. Denn ein (beinahe) abgeschlossenes Studium ist eine Leistung! Versuche, dir deiner Stärken und Erfolge bewusst zu werden und schätze diese wert.

Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen.
Dein Kumpel wird bald Vater, deine Freundin klettert emsig die Karriereleiter hoch und deine Eltern standen in deinem Alter bereits fest mit beiden Beinen im Berufsleben? Das kann dir egal sein! Denn es geht nicht darum, anderen nachzueifern – sondern darum, dass du deine ganz persönlichen Ziele und Wünsche verfolgst.

Schraube deine Ansprüche herunter.
Auch wenn die Annahme, dass man sich nur genug anstrengen müsse, dann können man alles erreichen gesellschaftlich weit verbreitet ist – lass dich davon nicht unter Druck setzen. Denn niemand muss und niemand kann immer 100 Prozent leisten, genau so wenig musst du alle Türen nutzen, die dir offen stehen. Lass dich vom Erwartungsdruck nicht stressen – weder dem anderer, noch dem eigenen!

Keine Angst vorm Scheitern.
Ja, die Entscheidungen um die es gerade geht, sind wegweisend und weitreichend – aber das bedeutet nicht, dass du nicht immer auch einen anderen Weg einschlagen kannst. Niemand muss in seinem ersten Job verharren, wenn dieser nicht gefällt – nicht einmal in der gleichen Branche. Hab keine Angst zu scheitern! Denn ob etwas die richtige Entscheidung ist, weißt du erst, wenn du es ausprobiert hast.

Auch wenn die Quarterlife Crisis häufig als „Luxusproblem“ der Generation Y abgetan wird, sollte man sie nicht bagatellisieren. Natürlich durchlebt nicht jeder Mensch Mitte Zwanzig eine solche Krise und auch bei den Betroffenen kann die Quarterlife Crisis verschiedene Ausprägungen und unterschiedliche Intensitäten aufweisen. Dennoch sollte man die mit diesem Phänomen möglicherweise einhergehenden psychischen Belastungen nicht unterschätzen und im Falle ernsthafter Beschwerden wie beispielsweise Angststörungen oder einer Depression unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch suchen.

Weitere Tipps zur Krisenbewältigung findest du hier!

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