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Mit 26 erst an die Uni? So läuft´s

Blog-Eintrag   •   Jun 08, 2018 11:13 CEST

Es ist eine schwere Frage - nicht nur nach dem Schulabschluss: Welche berufliche Richtung soll man einschlagen? Was ist sinnvoll und was vielleicht verschwendete Zeit? Die meisten wissen nicht gleich was sie wollen, sind ewig mit sich selbst im Konflikt, bis es vielleicht zu spät ist. Ein Studium nach dem Abi ist für viele DER Weg. Vorher eine Ausbildung machen? „Dann steckst du im Beruf und machst auch nichts anderes mehr“…sagt man, aber ist das wirklich so? Wir haben uns mit jemandem getroffen der einen Schritt zurück gewagt hat und damit sehr glücklich geworden ist.

Nils Weber wird im beschaulichen Dörfchen Wehrda in der Nähe von Marburg geboren. Er ist eines von sieben Geschwistern. 2008 machte er sein Abitur. Im Anschluss gleich studieren? Nein: „Ich war sehr unselbstständig und das mit dem Anmelden für die Uni war super undurchsichtig“, sagt er. Durch eine Freundin bewirbt er sich spontan beim Kosmetikunternehmen Wella und es klappt! Er zieht nach Darmstadt in eine WG und beginnt die Ausbildung zum Industriekaufmann. Die Unabhängigkeit von den Eltern, der Verdienst und die fehlende Lust am Lernen waren für ihn damals die größten Argumente.

Traumjob gefunden? Jein.
Schließlich arbeitete er für den Konzern Procter&Gamble – zu dem Wella damals gehörte – im Marketingteam. Er hatte eine unbefristete Stelle, ein gutes Gehalt, 37 Tage Urlaub im Jahr, arbeitete in einem internationalen Team an Markenstrategien, traf für Markenkampagnen bekannte Medienmenschen wie Joko Winterscheidt und flog als Community Manager in die USA, nach England oder Frankreich um Projekte umzusetzen. Das Frankfurter Stadt- und Businessleben war als Zusatz sowieso nicht schlecht. Eine Zeit lang war das alles sehr schön und genug für ihn. Nach einigen Jahren stieß er allerdings an Grenzen: „Ich habe gemerkt, dass man ohne akademischen Abschluss nicht weit kommt, vor allem nicht in einem größeren multinationalen Unternehmen. Auch mein Arbeitgeber hat mir das mehrfach bestätigt. Ohne mindestens einen Bachelor würde ich keine Manager-Position bekommen, auch nicht in vergleichbaren Unternehmen“. Das war für Nils der erste Schritt in Richtung Uni. „Andererseits hatte ich das Gefühl, nach den Jahren der Anstellung strukturblind geworden zu sein… immer nur noch das Selbe zu machen, keine neuen Denkanstöße zu bekommen, es wurde langweilig. Und da habe ich dann gesagt, dass ich auch für mich persönlich weiterziehen und mich weiterbilden möchte.“ Nach sieben Jahren war es also vorbei – ein Studium sollte es sein. Die Ortswahl viel dann auch nicht mehr so schwer: Die Liebe zog ihn wieder nach Marburg.

Mehr Vorteile als Nachteile.
Der Altersunterschied machte Nils nur am Anfang Sorgen: „Natürlich hatte ich Bedenken, nicht angenommen zu werden. Ich bin teilweise 10 Jahre älter als meine Kommilitonen. Da kommt man sich auch mal wie Papa vor.“ Aber es hat trotzdem funktioniert. Wahrscheinlich auch gerade deshalb, weil man eher professionell bleibt und sich nicht so schnell in soziale Unsicherheiten stürzt: „Das lernt man auch im Beruf: Man muss nicht mit jedem noch ein Bier trinken gehen.“ Außerdem konnte er viel gefestigter in sein Studium gehen, obwohl er mit 16 Wartesemestern hätte alles studieren können. „Es ist natürlich was anderes, wenn deine Eltern sagen, dass du studieren gehen sollst und du dann halt sagst, okay, dann mach ich´s einfach. Ich wusste nach der Ausbildung genau, dass ich das wirklich will. Für Medienwissenschaft brenne ich und stehe voll dahinter.“

Der Beruf habe ihm außerdem gezeigt, wie er sich organisieren muss und wie er Herausforderungen selbstständig und strukturiert meistert. Die Uni überforderte ihn jetzt nicht mehr. Barrieren, die man als Erstsemester verständlicherweise hat, waren kein Problem.

Wie verwirklicht man das finanziell?
Dank der Ausbildung bekommt Nils elternunabhängiges Bafög. Zusätzlich konnte er sich über die Zeit etwas ansparen. Das Bafög macht ihn allerdings unflexibler, denn die Uni muss in Regelstudienzeit beendet werden. Ein Semester länger würde da schon zum finanziellen Problem werden. „Wenn ich jetzt noch ein Volontariat oder Ähnliches machen würde, wäre ich nach Master und allem ja bald 40 bis ich wieder voll im Job angekommen bin. Gleichzeitig bin ich in manchen Branchen Berufseinsteiger und in anderen bin ich zu lange aus dem Beruf raus. Da muss man sich schon überlegen, wo man wieder einsteigt, wie man sich positioniert und ob man das Risiko als Quereinsteiger versucht.“ Alles in allem sieht er das aber nicht als großen Nachteil, denn jeden seiner Schritte kann er gut begründen.

Nicht einfach anfangen, lieber Praktikum machen.
Nils macht damit ganz deutlich: Man ist heutzutage flexibel. DEN Weg gibt es nicht. Von einer Top-Position zurück auf die Uni? Für Nils hat es Sinn gemacht. Sein Ratschlag für Orientierungssuchende ist ganz klar: Nicht einfach anfangen, lieber Praktika machen und (Job-) Erfahrungen sammeln.

Inzwischen hat Nils seine Bachelorarbeit über Körperbilder im digitalen Spiel abgegeben, ist Mitarbeiter am Institut und macht gerne redaktionelle Arbeiten – zum Beispiel für einen Podcast. Nächstes Semester beginnt er mit seinem Master. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg!

Du bist so ambitioniert wie Nils und willst noch ein Studium beginnen? Dann bewirb dich bei uns! Wir fördern dich auch unabhängig von deinen Eltern, oder deinem Alter.

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